Biberland Lonetal

Schutzstatus    Biber-Reviere    Biberdämme    Biberburgen    Biberspuren    Systematik+Verbreitung   Biologie+Verhalten   Baumeister+Ökologie   Ausrottung+Rückkehr   Probleme+Lösung+Ansprechpartner

Seit 1999 hat Flussbaumeister Biber seinen Lebensraum an der Lone wieder besiedelt. Das war sicher nicht einfach, denn die Lone führt in ihrem Mittel- und Unterlauf vom Spätsommer bis in den Winter meist überhaupt kein Wasser. Sie versickert im verkarsteten Untergrund und speist die Quellen von Langenau. Sogar die Quelle schüttet in manchen Jahren nur noch wenige oder gar null Sekundenliter. Infolge des Klimawandels und der fortschreitenden Verkarstung durch saure Regen - Kohlendioxid- und Stickoxidgehalt der Luft nimmt zu - wird der Wassermangel immer gravierender. Im Spätsommer des Trockenjahres 2018 versiegte die Lone schon oberhalb von Westerstetten! So sind die Stauhaltungen der Biber die letzten Rückzugsmöglichkeiten für Lebewesen, die auf das Wasser angewiesen sind!

1966 wurden von Hubert Weinzierl im Raum Ingolstadt im Auftrag des Freistaats Bayern die ersten Biber aus Osteuropa im Donauraum eingesetzt. 33 Jahre dauerte die Wiederbesiedlung des Flussgebiets der Donau bis zur Lone. Aber aller Anfang ist schwer. Der erste Lone-Biber starb in der Förderschnecke der Kläranlage Halzhausen:

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    Der erste Lone-Biber                                                                                    Beim Häldelesfels                                                Lone-Versickerung beim Mehlsack

Einige Jahre vorher hatte der Biber im Donauried das Flussgebiet der Nau, den Landesgrenzgraben, den im Grimmensee entspringenden Schwarzen Graben sowie die Brenz besiedelt. Unsere Lone-Biber sind von der Brenz her eingewandert. Und mit dem Biber sind Eisvogel und Wasseramsel ebenfalls ins Lonetal zurückgekehrt!

Schutzstatus

Der Biber steht unter strengstem Schutz. Er gehört zu den nach § 42 BNatSchG besonders geschützten Arten und ist gleichzeitig im Anhang II des NATURA 2000 - Programms der EU aufgeführt. Das heißt, dass der Biber weder gefangen, getötet oder auch nur beunruhigt werden darf. Seine Lebensstätten (Burgen, Baue, Dämme, Bäche, Nahrungsreviere) dürfen nicht beeinträchtigt oder zerstört werden. Wenn der Biber wirtschaftlichen Schaden anrichtet, besteht kein Anspruch auf Entschädigung. In besonders begründeten Fällen darf die für den Gewässerunterhalt zuständige Körperschaft mit Genehmigung der Höheren Naturschutzbehörde eingreifen. Um dies praktikabel zu machen, hat das Land Baden-Württemberg (wie auch Bayern) ein Biber-Management eingerichtet.

Biber-Reviere 2011 - kursiv der Zustand 2018

1 Das Biber-Revier zwischen Urspring und Lonsee besitzt eine Burg und 3 Dämme. Der Hauptdamm unterhalb der Biberburg wurde mit einem Drainagerohr versehen, damit die Bewirtschaftung der anliegenden Wiese möglich bleibt. Interessant: Ein zweijähriger Jungbiber dieses Reviers hat es geschafft, zu Fuß über Amstetten und das Rohrachtal durch Geislingen zu wandern. Er wurde von der Polizei eingefangen und zwischen Kuchen und Gingen in die Fils entlassen. Ob er wohl eine(n) Partner(in) gefunden hat? Der ganze Neckarraum ist bis auf die Jagst noch völlig biberfrei!

Im Jahr 2017 gab es einen Todesfall in der Biberburg. Diese ist jetzt verlassen. Die Dämme sind nur noch in Resten vorhanden und inaktiv, das Drainagerohr liegt trocken. Das Biberrevier in den Lonewiesen existiert nicht mehr! Immerhin gibt es dafür an der Fils in Wiesensteig ein neues Revier. Vermutlich wurde es von Bibern aus dem Lonetal besiedelt.

2 Am Lone-See zwischen Lonsee und Halzhausen befindet sich das älteste Lone-Biberrevier mit Burg und einem Hauptdamm. Die Burg lag auf dem Damm zwischen Lone-See und Lone und war nicht zugänglich. Ein Hauptdamm erleichtert die "Bewirtschaftung" der anliegenden Äcker. Der Biber hatte eine unterirdische Verbindung zwischen Lone und See geschaffen, die es erleichterte, vom See zur Lone zu gelangen. Diese Röhre hatte aber keinerlei Einfluss auf den Wasserstand des Lone-Sees. Da der Lone-See eine wichtiges Naherholungsgebiet ist, wurden die erhaltenswerten Bäume mit Drahthosen geschützt. Dank an Georg Weber! Seit 2011 kämpft der Fischereiverein Lonsee unterstützt vom Verband für Fischerei und Gewässerschutz gegen die Biberpopulation in der Lone. Dadurch wurde erreicht, dass die Biberburg am Lone-See mitsamt der unzugänglichen Naturzone auf dem Damm zerstört wurde und der See "generalsaniert" wurde. Hoffentlich nimmt die vertriebene Familie Bockert ihr neues, künstlich geschaffenes Heim auch an!

Bis 2018 wurde das Lonesee-Revier nicht wieder besiedelt. Nur einzelne Fraßspuren deuten darauf, dass einzelne Tiere diesen Bereich besuchen.

3 Zwischen Halzhausen und Westerstetten liegt ein Revier, das als Jungtierrevier der Lone-See-Biber gelten kann. 3 Dämme stauen die Lone zwischen der Kläranlage und dem Steinfurt-Durchbruch, einer befindet sich oberhalb der Taublindermühle und einer vor dem Bahndamm am Ortsrand von Westerstetten. Hier wie auch am Steinfurt-Durchbruch kommt es immer wieder zu Überflutungen durch den Biberstau. Innerhalb des Kläranlagen-Geländes haben die Kläranlagen-Mitarbeiter zeitweise eine Biber-Futterstelle mit gesammeltem Obst eingerichtet, so dass die possierlichen Tierchen gut beobachtet werden können.

Zentrum des Reviers mit mehreren Biberröhren ist der Lone-Abschnitt entlang der Kläranlage Halzhausen. Obwohl der Hauptbau wegen der Gefährdung der Zufahrt zur Kläranlage und des Bahndamms zerstört wurde, blieben die Biber an diesem Ort. Der Hauptdamm befindet sich etwa 200 unterhalb der Kläranlage. Mehrere kleine Nahrungsdämme existieren unter- und oberhalb des Revierzentrums. Ein größerer Nahrungsdamm am Ortsrand von Halzhausen erleichtert den Bibern die "Nutzung" der Obst- und Gemüsegärten.

4 Am Unteren Holz ist der Schwerpunkt dieses Westerstetter Reviers mit 3 Dämmen. Aber die Biber "bewirtschaften" nicht nur den ehemaligen Mühlgraben bis zur Unteren Mühle sondern auch die zum Teil schön renaturierte Lone innerhalb des Orts. Die Komposthaufen und die Hausgärten direkt an der Lone bieten eine ebenso gute Futtergrundlage wie Mais- und Rapsäcker direkt an der Lone. Kuriosum: Ein Biber hat eine Schlafröhre in einen Hausgarten hineingegraben. Das Dach des Schlafraums ist dabei leider eingebrochen. Die Gartenbesitzer waren so liebenswürdig und hatten dem armen Tier eine große Gehwegplatte als Dach zur Verfügung gestellt. Als Gegenleistung durfte man tagsüber mal die Platte beiseite schieben und den schlafenden Biber streicheln.

2017 wurde der damalige Fischwasserpächter zur Zahlung von 1350 € verurteilt, da er den Hauptdamm am Unteren Holz trotz Ermahnung durch einen Spaziergänger abgeräumt hatte. Dieser zeigte ihn an. Obwohl alle Wohnröhren trocken und offen lagen, bauten die Biber den Hauptdamm und die Nahrungsdämme wieder auf. Erst die Trockenheit des Jahres 2018 hat die Biber Lone aufwärts getrieben, zunächst zum Bahndamm der Lonetalquerung, bei weiterem Trockenfallen bis zur Markungsgrenze oberhalb der Taublindermühle. Hier wurde ein früherer Nahrungsdamm zum Hauptdamm ausgebaut, der die neue Biberburg wenige Meter oberhalb der Brücke an der Markungsgrenze schützt. Unterhalb des Hauptdamms existieren Richtung Taublindermühle noch kleinere Futterdämme, die das wenige Restwasser zurückhalten. Die Taublindermühle liegt trocken!

5 Das Biber-Revier Bernstadt erstreckt sich je nach Wasserführung der Lone vom Schönrain bis zum Mehlsackfelsen. In diesem Lone-Abschnitt gibt es bis zu 7 Biber-Dämme. Die zwei Burgen liegen unterhalb des Häldelesfelsen und bei der Kläranlage Bernstadt. Die frühere Hauptburg kann sehr leicht vom direkt vorbeiführenden Wanderweg am gegenüberliegenden Lone-Ufer beobachtet werden. In den Hauptdamm und in den Damm vor der Straßenbrücke wurden Drainagen eingebaut.

Das Revier hat sich auf den Bereich zwischen Kläranlagen-Auslauf, wo sich eine Burg aus Maisstängeln befindet, und der Straße Bernstadt-Holzkirch reduziert. Die Dämme stauen ausschließlich Kläranlagenwasser, denn die Lone ist ober- und unterhalb trocken.

6 Das Setzinger Biberrevier ist eine Besonderheit: Da die Lone oberhalb von Setzingen von Hochsommer bis zur Schneeschmelze meist kein Wasser führt, ist die Biberfamilie auf das geklärte Abwasser der Kläranlage Setzingen angewiesen. Aus diesem Grund sind sie perfekte Damm-Baumeister geworden. Kein Tropfen Wasser darf verloren gehen, die letzten Dämme sind dicht wie betoniert. Auf die Überflutung von Grünland unterhalb der Kläranlage als Folge des Hauptdamms hat die Gemeinde Setzingen vorbildlich reagiert. Sie hat das Grundstück einfach gekauft und lässt dem Biber hier freie Hand. Der dankt es leider nicht und nagt dafür schöne Gemeinde-Werteichen an. Undankbares Tier!

Auch die Setzinger Biber leben nur vom Kläranlagen-Ablauf, den sie leider immer wieder einstauen. Deshalb wurde mit Landesmitteln eine große Drainage eingebaut. Außerdem wurde das schöne Biberrevier durch Bänke und Infotafeln für Naturfreunde errschlossen. Dank an die Gemeinde Setzingen und an das Bauamt des Verwaltungsverbandes Langenau!

 7 Im Burgberger Revier gab es ein Problem mit dem Einstau des Fassungsbereich des Wasserwerks Burgberg der Landeswasserversorgung, was eine erhöhte mikrobielle Belastung des geförderten Grundwassers zur Folge hatte. Seitdem schießt die Geschäftsleitung der Landeswasserversorgung aus allen Rohren auf den Biber, auch wenn die geologischen Gegebenheiten selten vergleichbar sind. Fakt ist: Außer dem Burgberger Fall und einem völlig anders gelagerten Fall an der Egau bei Dischingen ist bisher nirgends eine vom Biber verursachte erhöhte mikrobielle Belastung des Grundwassers nachweisbar!

Biber-Dämme

Der Biber reguliert dadurch den Wasserstand. Der Eingang zum Bau oder zur Burg muss immer unter Wasser liegen. Eine Mindestwassertiefe von 60 cm ermöglicht ihm optimales Arbeiten: Schwimmen, Transport von Futter und Baumaterial, Anlegen von Nahrungsfloßen für den Winter ... Jeder Eingriff an einem Biberdamm beeinträchtigt den Lebensraum des Bibers und ist daher verboten! Über Ausnahmen entscheidet das Bibermanagement des Landes.

       

Damm Steinfurt                                                                        Damm Taublindermühle                                                            Damm Bernstadt

       

Damm Bernstadt                                                                        Zerstörter Biberdamm oberhalb der Taublindermühle

   

Dadurch wurde der Wasserstand um über 60 cm abgesenkt und der Lebensraum des Bibers beeinträchtigt. Richtig wäre gewesen - wenn großer wirtschaftlicher Schaden durch den Biberdamm verursacht worden wäre - in Absprache mit dem Bibermanagement eine Dammdrainage einzubauen, wie an zwei Dämmen im Biber-Revier Bernstadt. Dabei wurde die Mindestwassertiefe von 80 cm eingehalten, und die Eingänge zu den Burgen blieben unter Wasser.

Nicht immer haben Biber-Dämme negative Folgen für die Landwirtschaft. Im trockenen Juli 2006 haben die Bernstadter Biber einem Landwirt durch die kostenlose Bewässerung eines Maisfeldes einen weit höheren Ertrag als normal beschert.

   

Unbewässerter Mais                                                                            Vom Biber bewässerter Mais

Biber-Burgen

Besiedeln Biber ein Gewässer, erweitern sie meist zuerst einen verlassenen Bisambau und nutzen ihn als Wohnung. Erst nach der Gründung einer Familie wird, wenn der Erdbau nur begrenzt erweiterungsfähig ist, eine Burg gebaut. Der Eingang zur Burg liegt unter Wasser, der Wohnraum trocken über dem Wasserspiegel. Biberburgen können große Ausmaße annehmen. Im Donauried gibt es Biberburgen von 25 m Durchmesser und 4 m Höhe sowie ein richtiges Biber-"Reihenhaus".

   

Biber-Burg Lonsee                                                                                                    Biber-Burg Bernstadt

Biber-Spuren

Biber sind nachaktiv und daher am Tage nur selten und sehr zufällig zu beobachten. Aber seine Spuren finden wir überall an der Lone. Er ist Vegetarier und frisst im Sommer Gras, Getreide, Zuckerrüben, Kräuter und sehr gerne Raps oder Mais. Wir finden seine Fressplätze, seine Ausstiegstellen am Bach, seine Wege zu den Leckerbissen. Im Winter stellt er sich um auf Holz, Rinde und Knospen. Dazu fällt er Bäume und nagt sie völlig ab. Sinnlos ist es, diese gefällten Bäume im Winter wegzuräumen, denn der Biber wird dadurch zu weiteren Fällungen gezwungen. Also: So lange der Verkehr auf Straßen und Wegen nicht gestört wird, alles liegen lassen und erst im Frühjahr, wenn die Feldbestellung beginnt, die gefällten Bäume beseitigen.

       

Nagespuren an Bäumen im Halzhauser Revier

       

Völlig entrindeter Baum im Bernstadter Revier                                                    Ausstiegsstellen

       

Biber-Rutsche                                                            Biber-Weg ins Rapsfeld                                                                Hier wird gefressen

   Eine richtig angebrachte Drahthose verhindert die Baumfällung durch den Biber!

Systematik und Verbreitung

Mammalia (Säugetiere), Ordnung Rodentia (Nagetiere) [30 Familien, 1700 Arten]: sehr erfolgreiche, entwicklungsgeschichtlich junge Gruppe, früheste Nager vor 55 Mio. Jahren
Unterordnungen: Myomorpha (Mäuseverwandte) mit 1137 Arten, Caviomorpha (Meerschweinchenverwandte) mit 188 Arten, Sciuromorpha (Hörnchenverwandte) mit 377 Arten
Familie Castoridae mit einer Gattung (Castor) und zwei Arten: Castor fiber (Eurasischer Biber) und Castor canadensis (Kanadischer Biber). Die Artaufspaltung erfolgte nach geographischer Isolation

Kanadischer Biber: natürlicherweise Nordamerika (seit 1946 auch in Feuerland [Süd-Chile] vom Menschen angesiedelt)

Eurasische Biber: nordwestliches Europa bis Mittelasien

Biologie und Verhalten

Nicht verwechseln!

Größtes Nagetier Europas:
Kopf-Rumpf-Länge bis 1m, Schwanz bis 40 cm, Schulterhöhe bis 55 cm, Gewicht bis 30 kg
Geschlechtsunterscheidung äußerlich nicht möglich, Alter bis zu 17 Jahre, Geschlechtsreife ab dem dritten Lebensjahr  

Typische orangefarbene Nagerzähne, die ständig nachwachsen, Doppelkralle an der zweiten Hinterfußzehe (Putzkralle), Vorderbeine als Greifwerkzeuge, Hinterbeine sehr kräftig --> Antrieb

 

Anpassungen ans Wasserleben:
spindelförmiger Körper, Augen+Ohren hochliegend, wasserabweisendes, dichtes Fell, flacher Ruderschwanz, Schwimmhäute zwischen den Zehen der Hinterbeine, Ventilmechanismus an Nase und Ohren, verschließbare Kehle (Zungenrücken und Lippen), Nagen unter Wasser möglich, Tauchdauer 5-10 Minuten, im Extremfall 15 Minuten, Tasthaare an Lippen, Augen, Handwurzel (Orientierung in trübem Wasser und im dunklem Bau)

 

Familienleben:
leben monogam, ungewöhnlich stabile Familienbeziehungen, jedes Frühjahr 1-4 Junge, die zwei Jahre im  Familienverband bleiben und dann ein eigenes Revier suchen, Paarungszeit: Dez.-Febr., Tragzeit: 105-107 Tage, Junge kommen zwischen April  und Juni vollständig behaart und sehend zur Welt, Säugezeit: 2 - 21/2 Monate, dann Umstellung auf Festnahrung -->Todesfälle

 

Ernährung:
rein vegetarisch ! 

- im Sommer: Ufervegetation, Wasserpflanzen, Laub junger Gehölze, am liebsten aber Feldfrüchte, vor allem Zuckerrüben, Mais, Raps und Getreide

- im Winter: Rinde, Knospen, Rhizome, Äste und Zweige vom Nahrungsfloß

Verdauung der cellulosereichen Nahrung mit Hilfe spezieller Darmbakterien (Blinddarmkot --> “Coecotrophie“ --> wirkungsvolles Verdauungssystem ! 80% der aufgenommenen Nahrung werden in Energie umgewandelt

 

Baumeister und Ökologie

Warum fällt der Biber Bäume? Zur Nahrungsbeschaffung, zum Bau von Dämmen und Burgen!

Warum baut der Biber Dämme? In Fließgewässern versucht er eine Mindestwassertiefe von 60 bis 80 cm zu erhalten, damit der Eingang zur Burg oder zu Röhren ständig unter Wasser bleibt, damit er im Falle einer Gefahr schnell abtauchen kann, damit er Bauholz und Nahrung leichter transportieren kann - weil er im Gegensatz zu seiner schwerfälligen, langsamen Fortbewegung an Land im Wasser einfach schneller und wendiger ist!

Warum baut der Biber Burgen? Biberwohnungen besitzen einen Unterwasserzugang. Die Wohnräume müssen aber hochwassersicher über dem Wasser liegen. An steilen Ufern kann er diese Wohnung als reine Erdröhre graben. Ist die Bodenüberdeckung zu gering, bricht das Dach ein, es muss ein künstliches Dach aus Ästen, Zweigen, Laub, Gras mit einer Abdichtung aus Lehm gebaut werden. An flachen Ufern baut er direkt eine Burg.

       

Biberaktivitäten

Ökologische Auswirkungen    

Biber    ...    bauen Dämme            - schaffen Seen und Feuchtflächen    - schaffen Gewässerabschnitte mit unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten    - filtern das Wasser

            ...    fällen Bäume               - lichten den Uferwald aus    - fördern die Naturverjüngung und die schaffen Sukzessionsflächen    - hinterlassen Totholz

            ...    graben Röhren             - ausgeschwemmte und eingebrochene Röhren und Bauten erhöhen (verbessern!!!) die Uferstruktur

            -->    schaffen ein reichhaltiges, dynamisches Lebensraummosaik mit erhöhter Artenvielfalt, stabilisieren ein Fließgewässer

Ausrottung und Rückkehr

Ursprüngliches Verbreitungsgebiet : ganz Europa mit Ausnahme von Irland und Island, kaum natürliche Feinde
Ausrottung durch den Menschen (intensive Bejagung), 1854 letzter Biber in Württemberg ! Im Lonetal Ausrottung schon um 1750 --> ca. 250 Jahre “Biberpause“
 
1966 erste Wiederansiedlungsprojekte in Bayern (Neustadt a.d. Donau) durch Hubert Weinzierl
Wiederansiedlungsprojekt 1979 in Baden-Württemberg schlug fehl
Erfolgreiche Wiederbesiedlung Baden-Württembergs durch Biber, die aus dem Umland (Bayern, Schweiz) einschwimmen

Warum Ausrottung?

Biber    ...    werden als Konkurrenten und Schädlinge betrachtet    - verursachen Fraß- und Überschwemmungsschäden    - sind Nahrungskonkurrenten    - behindern Korrektionen der Fließgewässer und Trockenlegung der Fluss-Auen zum Zwecke landwirtschaftlicher Nutzung

            ...    liefern Bibergeil    - salbenartiges Sekret, in der Volksmedizin Allheilmittel gegen jedes Wehwehchen    - enthält tatsächlich Salicylsäure (Wirkstoff von Aspirin), da Weidenrinde zu den Leibspeisen der Biber zählt

            ...    liefern Fleisch        - sehr schmackhaft    - als Fastenspeise begehrt, da Biber wegen des beschuppten Schwanzes und wegen ihres Lebens im Wasser als Fische galten 

            ...    liefern den Biberpelz - sehr hochwertiges, weiches, dichtes Fell mit 23 000 Haaren/cm²  

            ...    liefern Biberzähne    - Amulette, die Kindern beim Zahnen helfen sollen

Probleme, Problemlösung, Ansprechpartner  

Biber graben Röhren ins Ufer --> Fahrzeuge brechen ein, Fischteiche laufen leer, Hochwasserdämme werden gefährdet

Biber nagen an Gehölzen und fressen Feldfrüchte --> Schäden in ufernahen Feldern und Gehölzen oder Obstpflanzungen

Biber bauen Dämme --> Vernässung oder Überschwemmung ufernaher Flächen, Abwasserabläufe und Drainagen werden unwirksam

Biber fällen Bäume --> wirtschaftlicher Schaden durch Fällen wertvoller Bäume, Gefährdung der Verkehrssicherheit durch umstürzende Bäume

Vermeidungsstrategie: 90% der Biberschäden treten in einem Uferstreifen von 10 m Breite auf, d.h. bei einer Umsetzung der gültigen Rechtslage (Wassergesetz Baden-Württemberg, EU-WRRL) mit Schaffung ungenutzter Gewässerrandstreifen würden die allermeisten Schäden vermieden. Die (Kommunal-) Politik ist gefordert!

Das Land Baden-Württemberg hat ein Bibermanagement eingerichtet. Ausgebildete Biberberater sind die ersten Ansprechpartner bei Biberproblemen. Sie versuchen im Gesetzesrahmen Lösungen zu finden, die eine Koexistenz zwischen Mensch und Biber ermöglichen.

Biberberater des Alb-Donau-Kreises für das Lonetal ist Günther Krämer, Tel. 0731 60278811

Zum Schluss ein herzlicher Dank an die ersten Biberbeauftragten des Regierungspräsidiums Tübingen, an die Dipl. Biologinnen  Evi Kattner und Katrin Deufel, die den Großteil der Inhalte dieser Seite erarbeitet haben!